Tinte herstellen
„Wir haben Tinte gemacht. Selber!“
Kinder lieben es, aus allerlei gesammelten Pflanzenmaterial Farbstoffe herzustellen. Sie lassen vom Sammeln draußen und vom Herstellungsprozeß begeistern. Sie werden selbstwirksam.
Was ist eigentlich Tinte? Es ist keine Farbe, um Leinwände oder Wände zu bemalen, Oberflächen bestreichen. Tinte wurde hauptsächlich als schriftliches Kommunikationsmittel verwendet. Man schrieb Briefe, Urkunden, Dokumente, Tagebücher. Die Kellermeister verwendeten früher Rotweintinte für ihre Buchführung .
Tinte muss flüssig sein, dauerhaft trocknen und saubere Linien ermöglichen. Die Grundformel ist ganz einfach: Farbe+Bindemittel+ Wasser = Tinte. Manche der interessantesten Effekte selbstgemachter Tinte entstehen, wenn etwas Unerwartetes geschieht.
Ein Wort für… „Blau“
blue (engl.) • azul (portugiesisch) • blu (italienisch) • şîn (kurdisch)
Tinten aus wildem Wein, Mahoniebeeren, Mädchenauge, Färberkamille, Rosenblüten, Geranienblüten, Walnussschalen
Tintenrezepte
Beerentinte
kann man von allen Pflanzentinten am einfachsten gewinnen. Geeignete Beeren sind Holunderbeeren, Wilder Wein (siehe Bild oben) Ligusterbeeren, Mahonienbeeren, Heidelbeeren, Brombeeren
So geht man vor: Man presst die Beeren durch ein Sieb und lässt den Farbsaft in einem Topf köcheln. Dem Pflanzensaft fügt man dann einen Gummi arabicum hinzu. So erhält man eine farbige, wischfeste Tinte. Je mehr Gummi arabicum man hinzufügt, um sämiger wird die Tinte. Allerdings kann sie dann nicht mehr so gut von der Feder fließen.
Kurkumatinte
Frische Kurkumawurzeln werden geschnitten und gemörsert. Dazu fügt man etwas Wasser. Der Pflanzenbrei wird in einem Kaffeefilter gesiebt und danach in Gläser abgefüllt. Ein paar Tropfen Nelkenöl konservieren die Tinte.
Walnusstinte
1 Tasse Walnussschalen (die äußeren) mit Wasser kochen und über Nacht einweichen lassen. Nochmals Kochen bis die Flüssigkeit zur Hälfte reduziert ist. Absieben, etwas Gummi arabicum und ein paar Tropfen Nelkenöl dazu.
Ganz allgemein kann man mit etwas Alaun und Pflanzenmaterialien, Fruchtresten, Gemüseresten, Blättern, neue Farbstoffe entdecken. Ahornsamen, Galläpfel, Eicheln enthalten Gerbstoffe und geben deshalb interessante Grau/Braunnuancierungen ab.
Vertiefende Literatur
Werkstatt Pflanzenfarben, Hannah Arendt, AT Verlag, 2007
Make Ink, Jason Logan, Ein Leitfaden zur Herstellung natürlicher Tinte, 2019
Malwerkstatt Natur für Kinder, Nick Neddo, Anleitung für Stifte, Farben, Stempel und mehr aus Naturmaterialien, 2021


